COLOREDGE REFERENZ

Wundersame Wesen unter der Meeresoberfläche

Pietro Formis gibt Einblicke in die Unterwasserfotografie

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Das Meer ist eine wahre Schatzkammer an wundersamen Wesen. So auch das Mittelmeer mit seiner Artenvielfalt, die man nur bestaunen kann und die es zu schützen gilt. Pietro Formis taucht unter die Wasseroberfläche ab, um die Schönheit und die Geheimnisse der Unterwasserwelt in faszinierenden Bildern festzuhalten.

Erzählen Sie uns von der Unterwasserfotografie – wie ist diese Leidenschaft entstanden?
Vor über zehn Jahren habe ich an meinem ersten Tauchkurs teilgenommen, um meinen Vater zu begleiten, der einen Tauchschein machen wollte. Das hat mein Leben komplett verändert. Innerhalb eines Jahres, nachdem ich mich mit dem Wasser und dem Tauchen vertraut gemacht hatte, habe ich mit dem Fotografieren angefangen und konnte nicht genug davon bekommen. Dann habe ich öfter Tauchreisen zum Roten Meer und nach Südostasien unternommen. Und langsam hat sich meine Leidenschaft zu einem Beruf entwickelt.

Heute veranstalte ich Workshops an den Orten, die ich kennengelernt habe, als ich mit dem Tauchen begann. Ich tauche das ganze Jahr über im Mittelmeer, vor allem in Ligurien, das für mich wie ein zweites Zuhause ist.

Fotografieren Sie nur unter Wasser?
Nicht nur. Ich liebe die Natur und fotografiere auch gerne das Leben auf dem Land. Aber meine größte Leidenschaft ist und bleibt die Unterwasserwelt.

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"Der weniger als einen Zentimeter große Pistolenkrebs wurde in einer grünen Seescheide fotografiert, ein schlauchförmiges Tier ähnlich einem Schwamm, in dem der Krebs normalerweise lebt."

Gibt es diese versunkenen Wunder, die Sie uns zeigen, nur in den Tropenparadiesen oder hält auch das Mittelmeer noch Überraschungen bereit?
Das Mittelmeer braucht sich überhaupt nicht hinter den tropischen Meeren zu verstecken – es steckt voller wunderschöner Überraschungen. Das gemäßigte Klima und die unterschiedlichen Jahreszeiten sorgen rund ums Jahr für unglaublich vielfältige Begegnungen. In den kalten Monaten, in denen das Meer aufgewühlt ist, kann man zum Beispiel Seeteufel, Petersfische oder Nacktkiemer in den unglaublichsten Farben beobachten. Im Sommer, wenn das Wasser klarer ist, kann man zwischen Makrelen-, Barracuda- oder Brassenschwärmen hindurchtauchen und die lebendige Farbenpracht am Meeresboden beobachten, dessen warme Töne einen schönen Kontrast zum Blau des Meeres bilden.

Wer im Mittelmeer fotografieren möchte, braucht Geduld, denn man muss seine Motive suchen. Das gilt insbesondere außerhalb der Schutzgebiete, wo Flora und Fauna dünner werden. 

Als Unterwasserfotograf, der oft an derselben Stelle taucht, muss man außerdem zu einer Art Hüter werden, der über das Wohl in seinem Stückchen Meer wacht. Leider verhalten sich viele Menschen abseits der Schutzgebiete wenig respektvoll und werfen Abfälle und Schutt ins Meer oder lassen ihre Fangnetze und Angelschnüre einfach zurück. Die Meeresschutzgebiete sind extrem wichtig und können dafür sorgen, dass die Einzigartigkeit unseres Mittelmeers nicht für immer verloren geht. Ich wünsche mir, dass es in Zukunft mehr dieser Schutzgebiete gibt und dass sie besser verwaltet und effizienter werden.

Wie kommt man zur Unterwasserfotografie?
Fast immer ist der Ausgangspunkt das Tauchen. Meistens sind es Tauchbegeisterte, die eine neue Art des Fotografierens ausprobieren möchten. Sie möchten Fotos von ihren Reisen und Tauchgängen mit nach Hause nehmen, die der Schönheit der erkundeten Meerestiefen gerecht werden. Die erste Begegnung kann auch über das Schnorcheln kommen – tatsächlich muss man nicht immer mit Gasflasche abtauchen, um unter Wasser zu fotografieren. 

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Warum ist dieses Genre der Fotografie wichtig?
Wer sich dafür begeistert, entwickelt über die Fotografie eine höhere Sensibilität für die abgebildeten Lebewesen und einen größeren Respekt gegenüber dem maritimen Lebensraum. Die Artenvielfalt wird einem bewusster und man möchte, dass all das Schöne und Unbefleckte erhalten bleibt. Die Wunder unserer Ozeane einzufangen wird immer schwieriger und erfordert großes Engagement.

Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen auch das zu zeigen, was nicht da sein sollte, zum Beispiel das Bild von einer Plastiktüte, die wie eine Qualle aussieht. Wir müssen uns klarer machen, was wir mit unserem alltäglichen Verhalten anrichten.

Welche typischen Fehler begehen weniger erfahrene Fotografinnen und Fotografen?
In der Regel ist der erste Fehler, nicht nahe genug an das Motiv heranzugehen. Ein weiteres Problem ist es, von oben nach unten zu fotografieren und das Motiv quasi in den Hintergrund zu „drücken“, vor Felsen oder Korallen, wo man das Motiv dann kaum noch erkennen kann. Es ist sehr wichtig, auch auf den Hintergrund zu achten und zu versuchen, das Motiv hervorzuheben und wertzuschätzen, statt den Blick und die Aufmerksamkeit von ihm abzulenken. Außerdem spielt die Konzentration eine große Rolle: Vor allem bei den ersten Malen kann man schnell die grundlegenden Regeln vergessen, weil man so sehr mit dem Tauchen selbst beschäftigt ist.

Haben Sie mit einer einfachen Ausrüstung angefangen, oder braucht man von Anfang an professionelle Technik?
Das hat sich alles peu à peu entwickelt. Die erste Kamera war eine ganz klassische Kompaktkamera für ein paar Hundert Euro mit einem Schutzgehäuse aus Polycarbon. Danach habe ich mir einen Unterwasserblitz gekauft, das war ein Muss. Als dann die Zeit für einen echten Qualitätssprung kam, bin ich auf ausgereiftere Systeme umgestiegen und habe mir eine angemessene Ausrüstung zugelegt: eine gute Spiegelreflexkamera, ein Fischaugenobjektiv und ein paar gute Blitze. Für eine komplette Profiausrüstung kann man schon mal leicht Zehntausende von Euro ausgeben.

Welche Ausrüstung verwenden Sie zurzeit?
Ich habe eine Canon 5D Mark III mit Aluminiumgehäuse von Nauticam. Als Objektive für das Fotografieren unter Wasser verwende ich ein Sigma 15 mm Fish-Eye, ein Tokina 10–17 Fish-Eye, das ich mit 1,4-fachem Multiplikator einsetze, ein 100-mm-L-Macro von Canon, zusätzliche Unterwasserobjektive mit Dioptrin und ein Canon 17–40. Und ich arbeite mit Grafikmonitoren von EIZO, einem sehr wichtigen Partner in der Welt der digitalen Bilder.

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Wie sind Sie auf EIZO aufmerksam geworden?
Ein Teilnehmer aus einem meiner Kurse hat mich mit Roberta Scalisi, Product & Marketing Manager von EIZO Italien, bekannt gemacht. Ich kenne das Unternehmen seit Langem, schließlich steht es für höchste Qualität bei Fotografie-Monitoren.

Daraus ist eine Zusammenarbeit entstanden, in deren Rahmen ich Workshops zur Unterwasserfotografie anbieten und dabei von der herausragenden Qualität der Monitore von EIZO profitieren kann. Beim nächsten Workshop geht es um die Postproduktion von Unterwasserbildern. Ziel ist es, den Teilnehmenden Informationen an die Hand zu geben, die sowohl für Anfänger als auch für versierte Nutzer hilfreich sind.

Bearbeiten Sie Ihre Bilder nach?
Ja natürlich, aber ich möchte nicht übertreiben. Mein Ziel ist immer die Natur so darzustellen, wie sie auch ist. Bei dieser Art der Fotografie gibt es kleine Fehler oder Unvollkommenheiten, die man korrigieren muss, zum Beispiel die dominanten Blautöne aufgrund der Wasserbeschaffenheit oder Farbabweichungen. 

Bei der Bearbeitung geht es darum, die Belichtung bzw. den Kontrast zu regulieren, unschöne Trübungspartikel zu eliminieren – auch wenn das manchmal gar nicht notwendig ist – und die Schärfe von Details zu optimieren.

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„Die Unterwasserfotografie lässt sich nicht so einfach in eine einzige Kategorie unterteilen: Es gibt viele verschiedene Genres – von der Weitwinkelfotografie über Porträts bis hin zur Makrofotografie hat jede ihre ganz eigenen technischen Aspekte.“

Um mal etwas technischer zu werden: Welche Schritte gibt es bei der Postproduktion?
Die Umsetzung meiner Unterwasserbilder läuft nach einem mittlerweile erprobten Verfahren ab. Zuerst kommt die Entwicklung der RAW-Datei in Lightroom: Zuschneiden, allgemeine Belichtungseinstellung, Farbabstimmung, Abschwächung von dominanten Elementen, Kontrasteinstellung von Licht, Schatten, Weiß- und Schwarztönen, Korrektur von Farbabweichungen bzw. Objektivkorrektur. Wenn man möchte, kann man an diesem Punkt auch kleine, ausgewählte Einstellungsänderungen vornehmen.

Im zweiten Schritt erfolgt die Bearbeitung in Photoshop, bei der man mögliche Kratzer oder Flecken auf dem Objektiv und Trübungspartikel entfernen kann; man kann sich auf Details konzentrieren und verschiedene finale Justierungen vornehmen. Danach wird die Datei über Lightroom exportiert.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?
In diesem Jahr erscheint mein erster Fotoband. Er ist natürlich dem Wasser gewidmet.

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Über Pietro Formis

Pietro Formis wurde 1978 in Mailand geboren und studierte Visual Design. 2008 begann er, sich der Unterwasserfotografie zu widmen. Für diese Leidenschaft, die mittlerweile fast eine Obsession ist, reist Pietro Formis in tropische Paradiese, taucht in unserem wunderschönen Mittelmeer und erkundet Süßwassergebiete.

Viele seiner Bilder wurden im Laufe der Jahre in Fachzeitschriften veröffentlicht, darunter SUB (Italien), La Rivista della Natura (Italien), Ocean Geographic (Australien), Unterwasser (Deutschland), Naturphoto (Deutschland) und Rolling Stone Italia. Pietro Formis wurde mit zahlreichen internationalen Preisen im Bereich der Unterwasserfotografie ausgezeichnet, wie Underwater Photographer of the Year (UPY), European Photographer of the Year (GDT), Asferico, Ocean Geographic, Ocean Art. Er führt Workshops in Italien und im Ausland durch und organisiert Fotoreisen.

Seit 2018 kooperiert Pietro Formis mit EIZO und vertraut bei der Bildbearbeitung auf ColorEdge-Monitore.

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