Farbmanagement ist für Fotografen ein wichtiges Thema. Berücksichtigt man es nicht, fehlt es einem zunächst nicht. Warum sollte man sich überhaupt damit beschäftigen? Vielen Fotografen ist überhaupt nicht bewusst, dass Bilder nicht von allen digitalen Anzeigegeräte aka Monitoren gleich dargestellt werden. Dieselbe Datei kann z. B. auf dem Laptop ganz anders aussehen als auf dem Monitor auf der Arbeit. Und abends auf dem Sofa am Tablet sieht das Angezeigte noch wieder ganz anders aus. Der Grund dafür: fehlendes Farbmanagement.

Farbmanagement

Was ist Farbmanagement und wozu soll das nötig sein?

Das Fehlen von Farbmanagement bemerkt man als Fotograf meistens in den folgenden zwei Situationen: Man wird häufiger darauf angesprochen werden, dass die eigenen Bilder im Web immer zu hell, zu dunkel, zu bunt, oder zu kontrastreich sind. Oder man druckt seine Fotos das erste Mal und stellt enttäuscht fest, dass das der fertige Ausdruck mehr oder weniger von der Monitordarstellung und somit von der eigenen Erwartung abweicht. 

Worin aber die Ursachen für die Abweichungen in der Bildschirmdarstellung und der Bildausgabe im Web oder auf Papier genau liegen, ist einem nicht direkt klar. Schlimmer noch: Die zahllosen Einstellmöglichkeiten in den Programmen, dem Monitor oder auch dem Drucker verwirren mehr, als dass sie helfen.

Um die zahlreichen Fragen zu beantworten, die es im Zusammenhang mit Farbmanagement für Fotografen gibt, besucht EIZO regelmäßig die einschlägigen Fotofestivals und bietet dort Workshops und Seminare an.

Wir freuen uns sehr, dass wir mit Sam Jost, den Autor des Buches „Farbmanagement für Fotografen“ als Gastautor für den ColorEdge-Blog gewinnen konnten. Alle vier Wochen wird er hier ab dem 18.03.2019 einen Blogposting zum Thema Farbmanagement veröffentlichen.

In dieser Auftaktfolge soll es aber erst einmal darum gehen, den Autor Sam Jost näher kennen zu lernen. Dazu habe ich ein Interview mit Sam geführt:

EIZO: Wie bist du zum Thema Farbmanagement gekommen?

Sam Jost: Angefangen mich mit Farbmanagement zu beschäftigen habe ich vor gut 10 Jahren, in 2008: Damals begann ich mich sehr ernsthaft mit digitaler Fotografie zu beschäftigen. Ein Jahr lang hatte ich Bilder am Notebook-Display bearbeitet und hatte dabei große Probleme bei der Bearbeitung der Farben, so dass mir klar wurde, dass ich einen externen Bildschirm brauchte. Aufgrund der guten Beratung eines Fachhändlers kaufte ich relativ günstig einen gebrauchten EIZO ColorEdge CG19, den ich zunächst als externen Bildschirm am Notebook betrieb. Beim direkten Vergleich mit dem Notebook war ich geschockt, wie viel besser die Farbdarstellung des EIZO war, wie viel einfacher dadurch die Bildbearbeitung wurde und wie sehr sich die Bilder verbesserten. 

EIZO: EIZO war also schon vor vielen Jahren der Grundstein deines Farbmanagements?

Sam Jost: Genau. Endlich waren meine Bilder differenziert farbig und nicht einfach nur bunt. Zusammen mit dem CG19 hatte mir der Händler ein Kalibrierungsgerät und einige Tipps zum Kalibrieren des Bildschirms gegeben. Wie wohl bei den meisten, die mit Farbmanagement anfangen, sah nach meinem ersten Kalibrieren zunächst einmal alles schlimmer aus als vorher, denn viele von mir verwendete Programme konnten, anders als heute, nicht mit Monitorprofilen umgehen.

Ich wühlte mich durchs Internet, durch etliche Artikel und Webseiten. Es gab viele Artikel zu finden, doch die meisten waren unvollständig, verwirrend und praxisfern. Stück für Stück erarbeitete ich mir Farbmanagement und einen farbverbindlichen Ablauf.

EIZO: Wie kamst du dann auf die Idee, ein Buch über Farbmanagement für Fotografen zu schreiben?

Sam Jost: Fünf Jahre später - ich hatte bereits erste Bücher über Fotografie veröffentlicht - fragte mich ein Leser nach Farbräumen. Mir wurde klar, dass man zum Verstehen von Farbräumen etwas Grundwissen über Farbmanagement braucht. Die damals am Markt erhältlichen Bücher waren für Fotografen völlig untauglich. Sie beleuchteten das Thema in erster Linie für die Bedürfnisse der Druckvorstufe und Druckindustrie. Diese Bücher waren für die meisten Fotografen zu spezialisiert und verwirrten mehr als zu erklären. Entsprechend brachte ich Ende 2013 meine Einführung ins Farbmanagement für Fotografen auf den Markt, die ich zwei Jahre später nochmals vollständig überarbeitet habe.

Und jetzt wird meine Einführung in Zusammenarbeit mit EIZO hier im Blog veröffentlicht, so dass es keine Ausrede mehr gibt, sich nicht mit Farbmanagement auszukennen!

Über Sam Jost

Schon als Kind liebte Sam Jost Kameras und hatte Spaß daran, Haustiere in Szene zu setzen und aus den Fotos kleine Bilderbücher zu basteln. Sobald er sein eigenes Geld verdiente kaufte er sich eine einfache Spiegelreflexkamera, fotografierte auf Partys, Festivals, Theaterstücke, alles was ihm vor die Linse kam. Die Fotos entwickelte er selbst. Als die ersten Digitalkameras auf den Markt kamen, wollte er so schnell wie möglich seine Fotos am Rechner bearbeiten können, weg von der Fotochemie. Es dauerte dann noch einige Jahre, bis Digitalkameras erschwinglich wurden, 2000 kaufte er dann sein erste Kompaktkamera, doch so richtig professionell fing er erst an zu fotografieren, als er sich 2004 seine erste DSLR zulegen konnte. Seitdem fotografiert er nebenberuflich, schreibt Bücher und bietet Workshops an, soweit es seine Zeit zulässt.