Die Gründe für Farbmanagement wurden im letzten Teil der Serie genannt. Wenn der Drucker Farben drucken kann, die in dem Farbraum des Fotos nicht enthalten sind, dann ist das Ergebnis klar: Diese Farben tauchen auf dem Druck nicht auf. Wenn Sie nicht wissen, dass Ihr Pizza-Lieferdienst auch Eis liefert, werden Sie es nicht bestellen und entsprechend auch nicht bekommen. Sind hingegen im Farbraum und im Bild Farben enthalten, die der Drucker nicht drucken kann, dann werden stattdessen andere Farben gedruckt. Aber welche?

Um zu zeigen, was mit Farben passiert, die der Drucker nicht drucken kann, komme ich nochmal auf meinen Bleistift-Farbraum aus dem Beitrag über Farbräume zurück. Der Bleistift konnte ja maximal 60 % der Schwärzung meines Laserdruckers erreichen, dunkler ging mit dem einfachen Bleistift nicht. Zur Veranschaulichung zeige ich hier, was passiert, wenn ich ein Bild aus dem Farbraum des Laserdruckers in den des Bleistifts umwandle, wenn ich also versuchen würde, ein Laserdruckerbild mit dem in Folge 1 vorgestellten Bleistift nachzumalen.

Es gibt zwei übliche Techniken, die Farben umzuwandeln: Relativ (manchmal auch Relativ Farbmetrisch bzw. Relativ Colormetrisch genannt) oder Perzeptiv. Im Folgenden zeige ich die Graustufen von 0 % bis 100 % aus meinem Laserdrucker und darunter jeweils die umgewandelte Version der Farbe, die die maximale Graustufe von 60 % meines Bleistifts berücksichtigt:

Graustufen Relativ Perzeptiv
Unterschied zwischen relativer und perzeptiver Umwandlung

Bei relativer Umwandlung bleiben alle Graustufen bis einschließlich 60 % genauso, wie sie im Original sind. Alles, was dunkler ist als 60 %, wird einfach zu den maximalen 60 % Helligkeit verändert. Relative Umwandlung ist der Standardfall.

Bei perzeptiver Umwandlung hingegen werden die Abstufungen neu verteilt und somit alle Farben heller, damit auch in den dunklen Bereichen ein Unterschied sichtbar bleibt. Perzeptive Umwandlung funktioniert nicht mit allen Profilen.

Relativ versucht, die Intensität beizubehalten, während Perzeptiv versucht, die Details zu erhalten. Je nach Bild ist mal das eine und mal das andere besser. Wenn das Bild nur wenige anzupassende Farben enthält (also in meinem Bleistift-Fall eher hell ist), dann eignet sich Relativ besser, um den Gesamteindruck zu erhalten, während das Bild bei Perzeptiv im Vergleich flau wirkt. In der Folge sehen Sie dreimal das gleiche Bild: links das Original, das wenige der abgeschnittenen Farben über 60 % enthält, mittig mit Relativ in den Bleistiftfarbraum umgewandelt, rechts mit Perzeptiv:

Helle schwarz-weiße Umwandlung
links: Wenige ungültige Farben | Mitte: Relativ umgewandelt | rechts: Perzeptiv umgewandelt

Beim gezeigten hellen Dünenfoto liefert Relativ das schönere Ergebnis. Zwar gehen auch dort Details im Gras verloren, doch das ist so gering, dass es nicht stört.

Nehme ich hingegen ein Bild, dass viele dieser umzuwandelnden Farben enthält und in diesen Farben auch noch Abstufungen, dann kann es bei Relativ passieren, dass die Details in diesen Farben verloren gehen. Im folgenden Beispielbild wird das dunkle Gebäude bei Relativ beinahe unsichtbar. Bei Perzeptiv wirkt das Bild zwar flau, aber die Details sind weiterhin sichtbar.

Dunkle schwarz-weiß Umwandlung
links: Viele ungültige Farben | Mitte: Relativ umgewandelt | rechts: Perzeptiv umgewandelt

Wenn Sie wie ich mit Druckdienstleistern zusammenarbeiten, haben Sie meist eh keine Wahl: Druckdienstleister nehmen in aller Regel Relativ, und gut ist. Hier sollten Sie die Farben vorab im Softproofing überprüfen und so anpassen, dass die Details erhalten bleiben.

Andere Umrechnungsmethoden

Photoshop kennt noch weitere Methoden, um Farben von einem Farbraum in einen anderen umzuwandeln: Absolut Farbmetrisch und Sättigung. Beide sind für Fotografen unwichtig.

Absolut Farbmetrisch ist dafür da, um in der Druckvorstufe einen Proof auszudrucken, also auf einem Digitaldrucker einen Probedruck zu erzeugen, bevor man das Material im Offsetverfahren druckt.

Sättigung versucht einfach nur, maximal leuchtende Farben zu erhalten, ohne Rücksicht auf Details. Für Geschäftsgrafiken ist das sinnvoll, für Fotos nicht.

Profil zuweisen

Neben den Methoden, bei einem Bild dessen Profil in ein anderes Profil umzuwandeln, gibt es in Bildbearbeitungsprogrammen wie Photoshop auch noch die Möglichkeit, einem Bild ein anderes Profil zuzuweisen. Man kann das mit Währungen vergleichen: Wenn ich 10 US-Dollar in Euro umwandle, dann ergibt das je nach Wechselkurs ca. 7 Euro. Weise ich hingegen den 10 Dollar einfach nur Euro als Währung zu, dann würde das 10 Euro ergeben, was definitiv falsch ist. Ähnlich ist das mit Farbprofilen: Wenn ich ein korrektes Ergebnis wünsche, muss ich von einem Farbraum in den anderen umwandeln. Wenn ich den Farbraum einfach nur zuweise, ergibt dies ein falsches Ergebnis (außer natürlich, um eine verkehrte Zuweisung zu korrigieren). Ein Anwendungsfall für eine Zuweisung sind Screenshots von einem kalibrierten Bildschirm. Screenshots müssen Sie das Bildschirmprofil als Farbraum zuweisen und sie anschließend in den Arbeitsfarbraum umwandeln, damit das Ergebnis stimmt.

Hier noch einmal Bilder aus vorigen Beiträgen, die einen falschen Farbraum zugewiesen bekommen haben und daher die falschen Farben zeigen.

Farbraum nicht beachtet
links: Adobe RGB korrekt interpretiert | Mitte: Adobe RGB nicht beachtet | rechts: ProPhotoRBG nicht beachtet

Dies passiert, wenn Sie einem Bild einen Farbraum zuweisen, statt es in einen umzuwandeln. Die folgenden Beiträge zeigen wie Profile für verschiedene Geräte erstellt werden können.

Über Sam Jost

Schon als Kind liebte Sam Jost Kameras und hatte Spaß daran, Haustiere in Szene zu setzen und aus den Fotos kleine Bilderbücher zu basteln. Sobald er sein eigenes Geld verdiente kaufte er sich eine einfache Spiegelreflexkamera, fotografierte auf Partys, Festivals, Theaterstücke, alles was ihm vor die Linse kam. Die Fotos entwickelte er selbst. Als die ersten Digitalkameras auf den Markt kamen, wollte er so schnell wie möglich seine Fotos am Rechner bearbeiten können, weg von der Fotochemie. Es dauerte dann noch einige Jahre, bis Digitalkameras erschwinglich wurden, 2000 kaufte er dann sein erste Kompaktkamera, doch so richtig professionell fing er erst an zu fotografieren, als er sich 2004 seine erste DSLR zulegen konnte. Seitdem fotografiert er nebenberuflich, schreibt Bücher und bietet Workshops an, soweit es seine Zeit zulässt.